
Auf dem Promisessel in der Glashalle nahm heute Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee Platz. Dem ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister gehen dieser Tage sicher diverse Dinge durch den Kopf, privat wie auch beruflich. Trotzdem fand er Zeit, mit Tim Deisinger von mdr info über das Autofahren an sich und die automobile Zukunft zu sprechen.
“Wichtig ist, dass Autofahren bezahlbar bleibt”, so Tiefensee. “Was nützt es, wenn ich neueste Technik im Fahrzeug habe, dieses aber nicht mehr bezahlen kann?”, sagte er.
Auf die Frage, was er denn für ein Autotyp sei, also eher ein konservativer, der seinen Wagen Sonntags wäscht und bei Regen in die Garage fährt oder einer, der es nur als Gebrauchsgegenstand sieht, antwortete der Minister: “Bei mir ist das ja ganz speziell, ich fahre fast ausschließlich dienstlich, ich selbst habe gar keinen Privatwagen. Meine Lebensgefährtin hat einen, es ist ein kleines Stadtauto.”
In Sachen neuer Technologien glaubt Tiefensee auf der Messe die Tendenz zu Baukastensystemen erkannt zu haben. “Es gibt immer mehr standardisierte Formen, auf die andere aufsetzen. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Autos der Zukunft wird die Recyclingfähigkeit sein. Wir können es uns nicht mehr leisten, alles wegzuwerfen.”
Im Mix aus Individualverkehr und öffentlichem Nahverkehr werde Auto, so prognostizierte Tiefensee, auch in vielen Jahren noch einen Stellenwert besitzen. “Der öffentliche Nahverkehr transportiert in Deutschland heute täglich 28 Millionen Menschen und verhindert so 18 Millionen PKW und deren Abgase. Hier ist noch einiges drin, dafür braucht es kluge Konzepte der Städte und attraktive Preise.
Großen Wert legt Tiefensee auf die Vorantreibung alternativer Antriebe, also etwa Elektroautos. “Hier wurden große Fortschritte gemacht, gerade was Akkulaufzeiten angeht. Fossile Brennstoffe, also Benzin und Diesel, werden aber auch 2060 noch eine Rolle beim Autofahren spielen, allerdings eine kleinere. Wir gehen davon aus, dass bereits 2030 der Anteil konservativ angetriebener Fahrzeuge auf 50 Prozent sinkt.”
Zu Opel und einer eventuellen Staatsbeteiligung verteidigte Tiefensee seinen Standpunkt: “Opel ist in Deutschland ein kerngesundes Unternehmen, das unter seiner kränkelnden Mutter in Übersee leidet. Wir dürfen kein Instrument ausschließen, das hilft, Arbeitsplätze und Technologien zu sichern. Dazu gehört es, Investoren zu suchen, aber auch eventuell die Mitarbeiter zu beteiligen und natürlich auch, in gewissem Maße staatliche Bürgschaften zu geben.
Und natürlich ließ sich die Frage nach dem Nachfolger des gestrauchelten Bahnchefs Hartmut Mehdorn nicht verhindern. Konkret wurde Tiefensee aber – politikertypisch – nicht. “Wir haben heute Abend ein Treffen im Kanzleramt und werden Gespräche führen. Es gilt jetzt, einen Mann oder eine Frau zu finden, die den Konzern weiterführen kann. Ich bin mir sicher, dass wir jemanden im Einvernehmen finden werden.”, floskelte er sich um den heißen Brei herum. Mittlerweile, so sagte er, sei die Teilprivatisierung der Deutschen Bahn vom Tisch.